www.jacobs-sabine.de  
 

Grafik      Plastik      Installation     Glas     Aktuell     Info     Vita     Impressum

2010falter_bergkirche_kornelimuenster.jpg (46660 Byte)

 

 

Notizen zur Präsentation im Tonnengewölbe St. Stephanus - Kornelimünster 2010

Die Plastik mit dem Titel "atme", das Raumobjekt und die Zeichnung mit dem Titel "Falter" stehen im Dialog zu dem schweren Tonnengewölbe aus dem 8ten Jahrhundert. - Es geht um Zeit und Raum.

2010falter_innen_bergkirch_sabinejacobs.JPG (383370 Byte)

2010atme_rücken_bergkirche_sabinejacobs.JPG (38421 Byte)

 2010atme_bergkirche_sabinejacobs.JPG (41190 Byte)

web-fragmente - falter1 2007.jpg (31585 Byte)

Betritt man das Untergeschoss, unterhalb des heutigen Glockenturmes, öffnet sich ein Tonnengewölbe mit drei Jochen. Etwa 6 m hoch, 10 m lang und 6,80 m breit. Ein gemauerter Kamin erinnert an Wärme. Es gibt einen ebenerdigen Ausgang und Fenster an der West- und Südseite des Gewölbes. Man weiß, dass dieser Teil der Kirche St. Stephanus der Rest eines karolingischen Landgutes aus dem 8ten Jahrhundert war. In den Pfeilern kann man noch heute Einkerbungen in dem harten Blaustein finden. Man nimmt an, es sind Spuren von entlang gezogenen Schwertern, über Jahrhunderte hinweg. Lange wurde der Turm als Wach- und Wohnraum genutzt. Um 1000 n.Chr. vermutet man den ersten Bauabschnitt des Kirchenraumes St. Stephanus. Die naheliegende römische Tempelanlage, auf Breinig zu, lieferte einen Großteil des Baumaterials. Im 12ten Jahrhundert zum ersten Mal urkundlich erwähnt, war sie bis 1802  Dorfkirche der umliegenden Dörfer.

-  Ein spiritueller und zugleich wehrhafter Schutzraum für Menschen. -

Wie ein sich sammelnder Schwarm bewegt sich das Draht- und Papierobjekt „Falter“ im mittleren Gewölbe vor der Fensterwand. Zart und leicht wirken die Gebilde in den schweren Mauern. Eine leichte Berührung oder ein Windhauch bringt das Objekt in Bewegung. Man darf sich unter den Schwarm begeben. In der Mitte ist ein Hohlraum mit Durchblick, der sich über das Haupt des Betrachters wölbt. Ein Raum der das Umfeld zunächst ausschließt. Die Durchblicke ziehen die Sicht hinaus zu den Faltern. – Die Gedanken dürfen folgen. Von Außen besehen gewinnt das Objekt Falter an Bodenhaftung, begibt sich ein Mensch unter den Schwarm. – Vielleicht doch eine Blüte, die sich hier entfalten darf ?

„atme“ lautet der Titel der Plastik, die im linken Teil des mittleren Gewölbe steht. Fragil, zerbrechlich und doch in fortschreitender Bewegung anmutend, weist sie in den dunklen Bereich des Raumes. In ihrer Gestalt erinnert sie an archaische Urwesen des Meeres. Auf der anderen Seite glaubt man einen im Zerfall befindlicher Brustkorb zu erkennen, der ein verkohltes Holz birgt. Zwischen den Mauern geht die Plastik eine eigentümliche Verbindung ein, mit den schweren Kalksteinen. Wie eine Erinnerung an den Ursprung, - das Leben in einem warmen Flachmeer, welches in der Kreidezeit vor der Anhöhe des Vennsattels lag. Auf der anderen Seite die Sterblichkeit, Verletzung und der Raubbau der menschlichen Vergangenheit unserer Region, die in diesen Gemäuern präsent ist.

- Für uns eine unfassbare Zeitspanne – für die Erde nur ein Atemzug. -

Die Zeichnung aus der Reihe „Falter“ schließt den Gedankengang ab. Eine Verneigung vor der Zeit, die sich in diesem Raum öffnet wie ein Buch.

Eine Präsentation im Rahmen der Gruppenausstellung "Überall Zuhause" des BBK Aachen Euregio e.V., 8. - 30. 5. 2010, in der Bergkirche St. Stephanus, Kornelimünster.

 

© Sabine Jacobs